Die Bezirksvertretung Münster-Nord hat einstimmig einen Prüfauftrag für einen möglichen digitalen Self-Service am Recyclinghof Kinderhaus beschlossen. Auf Initiative der SPD sollen die Stadtverwaltung und die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm) untersuchen, ob und in welcher Form Bürgerinnen und Bürger künftig auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten ausgewählte Wertstoffe am Standort an der Von-Humboldt-Straße abgeben könnten.
„Uns geht es ausdrücklich zunächst um eine ergebnisoffene Prüfung. Wir möchten wissen, ob sich die Nutzungszeiten des Recyclinghofs Kinderhaus mit einer digitalen Lösung sinnvoll erweitern lassen und welche technischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen dafür notwendig wären“, erklärt Thomas Borker, Vorsitzender der SPD-Fraktion.
Der Recyclinghof Kinderhaus ist derzeit lediglich an zwei Tagen pro Woche geöffnet: dienstags von 12 bis 19 Uhr und donnerstags von 8.30 bis 13 Uhr. Gerade für Berufstätige und Familien können diese eingeschränkten Öffnungszeiten im Alltag schwierig sein. Der Antrag greift deshalb die Frage auf, ob digitale Zugangslösungen zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten schaffen könnten.
Dass solche Modelle grundsätzlich funktionieren können, zeigen bereits Beispiele aus anderen Kommunen. Der Antrag verweist unter anderem auf Coesfeld, wo ausgewählte Wertstoffe nach vorheriger digitaler Buchung auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten abgegeben werden können. Auch in weiteren Kommunen der Region wurden vergleichbare Systeme inzwischen eingeführt.
Welche Lösung für Kinderhaus tatsächlich infrage kommt, ist ausdrücklich offen. Der Prüfauftrag legt weder einen bestimmten Anbieter noch ein konkretes technisches System fest. Verwaltung und awm sollen vielmehr untersuchen, welche Variante am StandortKinderhaus praktikabel und wirtschaftlich umsetzbar wäre. Denkbar wären beispielsweise eine vorherige Online-Buchung und ein digital gesteuerter Zugang per App oder Zugangscode.
„Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck. Sie muss einen konkreten Nutzen für die Menschen haben. Wenn wir mit einer digitalen Lösung einen bestehenden Service flexibler nutzbar machen können, ohne die regulären Öffnungszeiten aufwendig ausweiten zu müssen, sollten wir diese Möglichkeit ernsthaft prüfen”, so der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Niklas Esser.
Sollte die Prüfung positiv ausfallen, könnte Kinderhaus nach dem Antrag als Pilotstandort dienen. Erst nach einer erfolgreichen Erprobung wäre zu entscheiden, ob ein solches Modell auch für weitere Recyclinghöfe in Münster infrage kommt. Die Verwaltung soll der Bezirksvertretung nun zeitnah über die Ergebnisse der Prüfung und eine mögliche Umsetzungsperspektive berichten.
Der Prüfauftrag steht zugleich im Zusammenhang mit der breiteren Diskussion um Sauberkeit und illegale Müllablagerungen in Kinderhaus. Ein digitaler Zugang zum Recyclinghof kann diese Problematik nicht allein lösen. Einfachere und flexiblere Möglichkeiten zur ordnungsgemäßen Entsorgung könnten aber ein weiterer Baustein sein. Ob und welchen Beitrag ein solches Angebot leisten kann, sollte bei einer möglichen Erprobung ebenfalls betrachtet werden.
